Der Mühlenhof
Sie ist über 130 Jahre alt, das ist unverkennbar und doch hat sie ihren Charme nicht verloren. Innen riecht es nach altem Holz, der Boden knarrt bei jedem Schritt.
Weithin sichtbar steht die Windmühle leicht erhöht zur Allermarsch – das Zentrum unseres Hofs. Vor über 130 Jahren wurde der Mühlenhof gegründet. Die Ururgroßeltern meines Mannes erbauten eine sogenannte damals sehr moderne »Galerieholländer-Windmühle«, die bis heute unverändert erhalten ist.
Vom Mühlenbetrieb zu Osmers Garten - Heute ist unser Hof ein Ort, der Menschen verbindet – mit sich selbst, mit anderen und mit besonderen Momenten in meinem Vielfaltgarten.
Auf einen Spaziergang durch Osmers Garten
Vom kleinen Festplatz zum Blumengarten. Vom Beerengarten zum Gemüsegarten. Vom Schattengarten zur Blühwiese. Von der Obstbaumallee zu den Ackerflächen.
Durch einen hohen Bogen, geformt von unserer Eiche, einem Ahorn und einem Ilex, umrahmt von einem Haselnuss- und Hainbuchenhain, taucht man ein in den hinteren Gartenbereich. Jeden Übergang von einem zum anderen Bereich gestalten zu Bögen geformte Baumkronen. Die unterschiedlichen Gartenbereiche bilden eine wilde Fülle an unterschiedlichen Lebensräumen. In jedem Winkel herrscht geschäftiges Treiben und dennoch oder vielleicht gerade deswegen strahlt der gesamte Bereich Verbundenheit, Ruhe und Leichtigkeit aus. Hier beginnt meist unser Spaziergang, in dem ich oft alles erzähle, was mir in den unterschiedlichen Bereichen an Typischem zu den einzelnen Jahreszeiten immer wieder aufällt. Dabei begleitet mich meist durch alle Jahreszeiten ein Treiben auf dichtem Teppich aus vielfältigen Strukturen, aber auch ein Flügelschwingen in den Bäumen oder auf den Blüten unserer Gärten, die ihnen zu jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht verleihen. Von der Beschwingtheit dieser Geräuschkulisse zehre ich täglich.
Vom kleinen Festplatz zum Blumengarten
Ein lange wenig genutzter, von Bäumen umrahmter Platz ist zu einem Ort des Verweilens geworden. Ich habe die Fläche begradigt und den bestehenden Hügel erhöht, denn hier soll ein Wasserlauf entstehen. Sein leises Plätschern wird Atmosphäre schaffen und zugleich die Artenvielfalt fördern. Von diesem erhöhten Platz aus habe ich die Entwicklung meines Gartens begleitet, Pläne geschmiedet, Ideen verworfen und Visionen weitergedacht. Hier feiere ich Gartenfeste – unter dem Schutz alter Bäume, an gedeckten Tischen, mit Blumen, Lachen und Wärme im Herzen.
Gegenüber bietet ein großer Natursteinhaufen Lebensraum für die Zauneidechse, die sich von Insekten ernährt – auch von jenen, die sich an Gemüsepflanzen zu schaffen machen. Vögel finden hier ebenso Nahrung, Trockenmauer und Totholz schaffen geschützte Rückzugsorte. Selbst die ungiftige Schlingnatter zeigt sich gelegentlich. So entstehen wertvolle Nützlingsstrukturen – lebendige Kreisläufe direkt vor meinen Augen.
Auf diesem Platz wurde auch die Idee für meinen rund 400 m² großen Blumengarten geboren – sieben geschwungene Beete. Jede Staude habe ich bewusst ausgewählt: robust, winterhart, in Freilandkultur gezogen, ohne Chemie. Inzwischen sind hier weit über 1000 Pflanzen heimisch geworden.
Heute erfüllt eine summende, surrende Blütenfülle diesen Raum. Kräftige Farbklänge aus Gelb, Rot und Blau leuchten durch die Jahreszeiten. Im Herbst glitzern Tautropfen in den Spinnennetzen zwischen den stehen gelassenen Stängeln, die Insekten als Winterquartier dienen. Dieser Garten ist für mich ein Ort der Schönheit und zugleich ein lebendiger Lebensraum – der immer weiter wächst voller Hingabe und Freude.
Vom Beerengarten zum Gemüsegarten
Als blühenden Übergang vom Blumen- zum Gemüsegarten habe ich auf rund 50 m² einen kleinen Beerengarten angelegt. Kaum klingt der Geschmack reifer Erdbeeren nach, kündigen sich schon die ersten Himbeeren an. An Sommermorgen gehe ich voller Vorfreude hinaus, nasche direkt vom Strauch und sammle Beeren fürs Frühstück. Erde unter den Füßen, Kinderlachen zwischen den Beeten – das berührt mich tief. Ich staune immer wieder über die unterschiedlichen Kleinklimazonen im Garten: hier feucht und kühl, gleich daneben heiß und trocken.
Gegenüber steht eine Bank, umrahmt von Obstbäumen. Im Frühling begleitet mich der Gesang der Amsel, morgens weckt uns ein vielstimmiger Vogelchor. Auch der Siebenschläfer ist hier häufig zu Gast. Himbeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, dazu eine frühe Traube. Ein schönes Detail offenbarte sich erst aus der Vogelperspektive: Die Beete habe ich ungeplant so angelegt, dass sie ein lachendes Gesicht bilden.
Der Weg führt weiter in meinen rund 500m² großen lebendigen Gemüsegarten.
Im lebendigen Gemüsegarten
Pflanzen und Strukturen für einen Wandel im Gemüsegarten oder anders: vernetztes Wissen und Wechselwirkungen für einen blühenden Gemüsegarten – beides beschreibt die Entwicklung meines Gemüsegartens bzw. der Gemüsebeete. Sie führte von altbewährten Kombinationen, die mit Fokus auf eine ganzjährige schmackhafte Ernte entstanden sind, zu einer Verbindung, die zu mehr Vielfalt, Artenreichtum und Resilienz führt.
Gemüse, Salate, Kräuter und Blumen in meiner vielfältigen Mischkultur: Neben Gemüsepflanzen gedeihen Begleitpflanzen, die bei mir die Eigenschaften als Opferpflanzen, Abwehrpflanzen oder ganzheitliche Pflanzen zeigen, um die Gemüsepflanzen zu stärken. Dazu kommen überwiegend heimische Insektenpflanzen, die als Nahrungsquelle, Unterschlupf und Nistplatz für zahlreiche Insekten dienen, die zum Teil stark gefährdet sind. Meine Beweggründe sind einerseits Tier- und Umweltschutzaspekte, andererseits, um die Insekten zur Bestäubung der Gemüsepflanzen anzuregen und um zugleich natürliche Gegenspieler anzulocken. Durch spezielle Strukturen sorge ich dafür, dass diese und weitere Tiere an Ort und Stelle in unserem Gemüsegarten bleiben.
Im BLOG-MAGAZIN erzähle ich über genau diese Beetkombinationen . Sie stehen für einen lebendigen Garten, eine reiche Ernte und für die Freude am Gärtnern. Sie erzählen von der Entwicklung unseres Gemüsegartens, der beginnt, sich von altbewährten Strukturen zu einem artenreichen, vielfältigen und lebendigen Ort zu wandeln. Dabei verschmelzen neue Pflanzungen mit dem Bestand und bilden eine Harmonie in der Vielfalt, die meine Erwartungen übertraf.